Praxisbeispiel: 12-jähriger Wallach

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Akupunktur

06.02.2014 Praxisbeispiel: 12-jähriger Wallach

Wie lang manche Krankengeschichte ist und wie gut sich der Kreislauf immer wiederkehrender Erkrankung mit Akupunktur durchbrechen lässt, möchte ich an nachfolgendem Praxisbeispiel aufzeigen: Ein 12-jähriger Haflingerwallach wird seit sechs Jahren jeden Winter krank. Ab Dezember hustet er beim Reiten krampfartig, jedoch ohne Schleimauswurf. Das Pferd bekommt schleimlösende Medikamente und hat schon eine Eigenbluttherapie hinter sich. Im Winter, so beschreibt die Besitzerin, sei ihr Pferd sehr faul. Außerdem friert es schnell und muss häufiger Urin lassen. Ab März wird der Husten besser und tritt im Sommer gar nicht auf. Im Winter setzt das Husten wieder ein.

Besondere Merkmale beschreibt die Besitzerin wie folgt: Der Haflinger frisst ausgesprochen gerne und ist übergewichtig. Beim Reiten ist er liebenswert, aber nicht leistungsbereit. Bei der Untersuchung fühle ich einen tiefen schwachen Puls.

Ich empfahl der Besitzerin, eine Bronchoskopie bei ihrem Pferd durchführen zu lassen. Zunächst war sie der Meinung, dies sei nicht nötig, da ihr Pferd keinen Schleim abhuste und deshalb schleimfrei sei, entschließt sich dann aber doch zu dem Klinikbesuch. Ihre Bestürzung ist groß, als sich herausstellt, dass die Bronchien des Wallachs voll klebrigem, zähem Schleim sind. Die Untersuchung des Sekretes gibt keinen Hinweis auf eine bakterielle Infektion, daher wird ausschließlich eine Akupunkturbehandlung eingesetzt.

Überlegung:
Diese Krankengeschichte steht stellvertretend für viele Pferde, die über einen langen Zeitraum immer wieder rezidivierende und damit chronisch verlaufende Atemwegserkrankungen haben. Die Akupunktur kann in diesen Fällen sehr gut helfen und den Kreislauf durchbrechen.

Die Erkrankung des Wallachs wird in der TCVM-Diagnose als Schleim blockiert Lunge bezeichnet. Zusätzlich besteht bei dem Pferd eine Schwäche des Nieren-Yang, die durch das Frieren und das vermehrte Wasserlassen deutlich wird.

Die Therapie muss einerseits den Schleim lösen, andererseits das Nieren-Yang stärken. Es werden folgende Akupunkturpunkte genadelt.

Lu7: Lieque hilft der Lunge im Verteilen des Lungen-Qi zur Niere, bewegt das Abwehr-Qi und unterstützt das Immunsystem.
Ma 36: Zusanli stärkt das Qi und Blut und unterstützt das Immunsystem.
Ma 40: Fenglong eliminiert Schleim.
KG 22: Tiantu bfreit den Rachen.
Bl 23: Shu-Punkt der Niere

Der Schleimauswurf wird über Ma 40 und KG 22 behandelt. Die Kältesymptome werden durch Moxibustion auf Blase 23 therapiert.

Das Pferd kam zweimal im Abstand von zehn Tagen zur Akupunkturbehandlung. In diesem Zeitraum begann es nach dem Reiten abzuhusten. Es folgten noch drei Behandlungen im Abstand von 20 Tagen. Die Besitzerin akupressierte einmal täglich Ni 3 (aktiviert das Ursprungs-Qi und stärkt das Immunsystem) und Lu 7.

Ende Januar wurde der Wallach bronchoskopiert - und seine Bronchien waren schleimfrei. Im nächsten Jahr erhielt das Pferd im November prophylaktisch eine Moxibustionsbehandlung auf Bl 23 und überstand den Winter ohne Erkrankung. In den folgenden Jahren wurde die Moxibustion regelmäßig im November durchgeführt - der Wallach blieb gesund.