Die Organe aus Sicht der TCVM

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Akupunktur

24.04.2014 Die Organe aus Sicht der TCVM

Durch fabulös klingende Bezeichnungen und ein für unser westliches Verständnis oft befremdliche Sichtweise auf Körperfunktionen und Erkrankungen entstehen bei Laien immer wieder Missverständnisse. Es ist aber wichtig, diese Vorstellungen zu kennen, um den Einsatz der Akupunktur zu verstehen. Ein Beispiel: Die Leber hat sowohl in der westlichen als auch in der Traditionell Chinesischen Medizin eine Entgiftungsfunktion. Die Betrachtung der TCM ist allerdings viel umfassender als die der westlichen Medizin. Eine Lebererkrankung in der westlichen Medizin bedeutet, dass das Organ Leber erkrankt ist. Der westlich orientierte Arzt wird seine Behandlung auf die Veränderungen in der Leber richten.

In der Traditionell Chinesischen Medizin bedeutet eine Lebererkrankung dagegen eine Disharmonie in der Wandlungsphase Leber/Gallenblase, die möglicherweise durch zu viel Ärger verursacht wurde. Denkbare Beschwerden sind ausgeprägte Muskelverspannungen im Genick und Hals, da das Leber-Qi für den reibungslosen Verlauf von Qi und für die Muskulatur zuständig ist.

Mehr als in der westlichen Medizin üblich wird in der TCM psychischen Veränderungen Beachtung geschenkt, weil sie häufig die ersten Anzeichen für eine entstehende Störung sind. Auch in der westlichen Medizin wissen wir, dass Stress zum Entstehen von Erkrankungen beiträgt, differenzieren die Emotionen aber nicht auf einzelne Organe.

Die Behandlung der Organe erfolgt über Akupunkturpunkte auf den Meridianen, da die Leitbahnen eine Verbindung zu den inneren Organbereichen haben. Da alle Leitbahnen entlang den Gliedmaßen verlaufen und die Gelenke überqueren, können Blockaden des Energieflusses dort zu Schmerzen und damit zu Lahmheiten führen. Der Magen-Meridian verläuft über das Knie, so dass bei einer Knielahmheit dieser Meridian betroffen ist und durch eine Akupunktur behandelt werden sollte.

Doch nochmal zurück zur Leber. Die Leber verbindet sich als Yin-Speicherorgan mit ihrem Yang-Partner, dem Hohlorgan Gallenblase, zum Funktionskreis Leber/Gallenblase. Auch wenn das Pferd keine Gallenblase hat, sind die Funktionen dieses Organbereichs gemäß chinesischer Auffassung vorhanden.

Der Zustand der Leber zeigt sich in der Lebhaftigkeit des Pferdes und im Glanz seiner Augen. Die Leber ist ein überaus wichtiges Organ, weil sie Blut speichert und dafür sorgt, dass den Muskeln bei allen Aktivitäten genügend Blut und damit Energie zur Verfügung steht. Außerdem ist die Leber für die harmonische Verteilung des Qi im ganzen Organismus zuständig. Zu ihrem Einflussbereich gehören zudem die Sehnen und Bänder, aber auch das Hufhorn. Die Leber ist empfindlich gegenüber Wind und anfällig im Frühjahr.

Störungen der Organenergie äußern sich in vielfältiger Form. Probleme im Bereich der Sehnen und Gelenke führen zu Steifheit, bröselige Beschaffenheit des Hufhorns kann Lahmheiten zur Folge haben, Bindehautentzündungen treten häufig im Frühjahr zu Beginn der Weidesaison auf. Ein Leber-Qi-Stau kann sich in einer Überempfindlichkeit des Pferdes beim Striegeln und Putzen äußern oder durch Muskelverspannungen manifestiert werden.

Gerät die Leber aus dem Gleichgewicht, treten Stauungs-, Hitze- und Trockenheitssymptome auf. Häufig sind erste Anzeichen einer Leber-Disharmonie psychische Veränderungen wie Unrittigkeit, Wehren gegen die Reiterhilfen und Aggression gegenüber anderen Pferden. Kein anderes Organ zeigt psychische Imbalancen so deutlich wie die Leber, noch bevor körperliche Symptome entstehen. Da die Leber eine immens wichtige Funktion im Organismus hat, sollte auf diese psychischen Veränderungen unbedingt geachtet werden.

Die Leber
- speichert das Blut- sorgt für einen reibungslosen Qi-Fluss
- kontrolliert die Sehnen
- zeigt sich in der Konsistenz der Hufe
- spiegelt sich im Auge