Akupunktur bei beginnender Atemwegsinfektion

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Akupunktur

20.02.2014 Akupunktur bei beginnender Atemwegsinfektion

Mit nachfolgendem Beispiel möchte ich Reiter und Pferdebesitzer bestärken, sich bei gesundheitlichen Veränderungen ihres Pferdes auf ihr Gefühl und ihre Beobachtungen zu verlassen, damit sich anbahnende Erkrankungen frühzeitig abgeklärt werden können.

Lucius, ein 5-jähriger Wallach, wird mir zur Behandlung vorgestellt. Der Wallach wurde schon einige Male zur allgemeinen Kontrolle untersucht, aber bisher brauchte er keine Akupunktur. Der Besitzer akupressiert Lucius allerdings den Punkt Leber 3, wenn er glaubt, dass er sein Pferd viel gearbeitet hat, damit kein Muskelkater entsteht.

Als der Besitzer Lucius erneut vorstellt, scheint ihm der Wallach seit drei Tagen etwas müde und lustlos bei der Arbeit. Da im Stall eine fiebrige Infektion grassiert, möchte er eine Untersuchung seines Pferdes nach traditionell chinesischer Medizin.

Da ich Lucius, der im Gantyp steht, kenne, fällt mir auf, wie ruhig das Pferd ist. Ungewöhnlich gelassen lässt er die gesamte Untersuchung über sich ergehen. Sein Puls ist normalerweise oberflächlich und gespannt, seine Schleimhäute rot. Diesmal hat er weißliche Schleimhäute und einen oberflächlichen, gespannten Puls mit langsamer Frequenz. Ansonsten kann ich keine Veränderung feststellen.

Hier wird übrigens deutlich, wie vorteilhaft es für den Akupunkteur ist, wenn er den Patienten im Normalzustand kennt. Lucius befindet sich am Anfang einer Infektion, aber seine Symptome sind minimal. Der langsame Puls und die weißlichen Schleimhäute sowie die Müdigkeit bei der Arbeit sind die einzigen Anzeichen der eindringenden Infektion.

Ich entschließe mich zur einmaligen Akupunktur folgender Punkte: Lu 7 (Lieque). Dieser hilft der Lunge im Verteilen des Lungen Qi. Damit wird das Immunsystem des Pferdes gestärkt. Gb 20 (Fengchi) leitet Wind aus, hilft gegen Virusinfektionen. Ni 3 (Taixi) stärkt das Abwehrsystem der Pferde. Lucius erholt sich nach der Behandlung und tobt zwei Tage später wieder über die Weide. Die Kontrolluntersuchung nach zehn Tagen erfordert keine weitere Behandlung.